Caroline Michel-Aguirre beschreibt in ihrem Buch „Die Gewerkschafterin“ die aufsehenerregende Geschichte von Maureen Kearney in drei Akten.
Ein atemlos machender Thriller, der auf einer realen Staatsaffäre beruht.
Maureen, Du spielst zu sehr in der Liga der Großen. Du wirst Dir irgendwann die Flügel verbrennen.
Erster Akt: Manipulationen – Juni 2012 bis Dezember 2012
Maureen Kearney, in Irland geboren, wurde von ihrer Mutter schon früh zur Kämpferin für Gerechtigkeit erzogen. Der Liebe wegen zieht sie nach Paris und steigt dort zur führenden Gewerkschafterin des Atomkonzerns Areva auf. Sie trifft als Gewerkschafterin führende französische Politiker wie den Minister für Europafragen Bernard Cazeneuve, Francois Hollande, oder den Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Einige Wochen nach einem Treffen mit Spitzenpolitikern im Juni 2012 entdeckt sie, dass der große französische Stromversorger EDF, Electricité de France, im Geheimen mit seinem chinesischen Pendant, CGNPC, verhandelt, um Areva auszubooten. Das bedeutet den möglichen Verlust vieler Arbeitsplätze in Frankreich. Sie schlägt Alarm bei Bernard Cazeneuve und Arnaud Montebourg und auch der ehemaligen Chefin von Areva, Anne Lauvergeon,
Im ersten Akt werden ebenfalls eingeführt: Henri Proglio, Chef der EDF und mächtiger Strippenzieher sowie Alexandre Djouhri, ebenfalls ein Strippenzieher und Henri Proglio Manns für Grobe.
Am Ende des ersten Akts, ist Maureen von den vergangenen schwierigen Monaten zutiefst erschöpft und geht früh ins Bett.
Zweiter Akt: Die Verkettung – Dezember 2012 – Februar 2013
Am nächsten Morgen wird Maureen Kearny in ihrem Badezimmer überfallen und in den nächsten Stunden schwer misshandelt. Erst Stunden später wird sie von ihrer Haushälterin gefunden – gefesselt, geknebelt und unter Schock, ein Messer steckt in ihrer Vagina.
Noch im Krankenhaus wird sie über mehrere Stunden von der Polizei verhört. Schnell wird klar, dass der Überfall auf Maureen von hochrangigen Politikern als Gefährdung für sie selbst begriffen wird. So brüllt Arnaud Montebourg den Chef von Areva Luc Oursel an an, wann dieses Chaos mit den Gewerkschaften endlich aufhöre und nun hätte man auch noch einen diplomatischen Störfall mit China. In Folge von Fukushima und des Atomausstiegs Deutschlands verliert Areva an Macht und wird von der EDF finanziell gerettet. Eine Kultur der Angst verbreitet sich, niemand ist bereit für Maureen einzustehen. Sie wird von Maureen oder meine liebste Maureen zu „Die Gewerkschafterin“. Es gibt keine Anteilnahme oder Mitgefühl für Maureen. Man(n) vermutet, dass Maureen mit Anne Lauvergeon verabredet hat, einen Überfall auf sich selbst zu erfinden und dass sie sich die Verletzungen selbst zugefügt hat. Obwohl dies technisch völlig unmöglich ist. Beauftragte Sachverständige behaupten, sie weise eine Persönlichkeit vom Borderline-Typ auf.
Dritter Akt: Die Justiz – Mai 2017 bis November 2018
Nach Jahren der Flucht vor der Öffentlichkeit und einem Umzug an einen anderen Ort beginnt der Prozess gegen Maureen Kearny. Als sie im Gericht, nervös und ängstlich, nur einen Schluck Wasser trinken will, wird sie von der Richterin wie ein Kind ermahnt, dass im Gerichtssaal nicht aus der Flasche getrunken wird und der Gerichtssaal kein Ort für ein Picknick sei. Die Vorverurteilungen sind so ausgeprägt, dass sie tatsächlich in erster Instanz entgegen jeder Wahrscheinlichkeit von der Richterin verurteilt wird. In den Augen der Ermittler im Prozess ist Maureen eine depressive, alkoholabhängige und selbstmordgefährdete Frau und gleichzeitig eine kaltblütige und manipulative Person. Zu verlockend ist diese Erklärung, denn dann muss man ihr nicht glauben! Im Gerichtssaal sitzt auch Caroline Michel-Aguirre und beschließt die Recherchen wieder aufzunehmen. Sie findet einen Faden: Vor Jahren hat es einen ähnlichen Fall sexualisierter Gewalt gegen die Frau eines Veolia-Managers gegeben, der bei einem Geschäft auch mit Alexandre Djouri und Henri Proglio zu tun hatte.
Acht Monate später beginnt der zweite Prozess. Caroline Michel-Aguirre hat recherchiert und findet gemeinsam mit einem Anwalt eine Möglichkeit, Maureen Kearnys Unschuld zu beweisen. Maureen Kearny hat den Anwalt gewechselt, hat wieder etwas Mut gefasst und lässt zu, dass ihre ehemaligen Gewerkschaftskollegen Öffentlichkeit für sie herstellen. Am 7.November 2018 spricht das Berufungsgericht in Versailles Maureen Kearney von den gegen sie erhoben Vorwürfen frei. In seinem Urteil prangert das Gericht die eklatanten Mängel der Ermittlungen an.
Ihre eigene Klage wegen Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und Gewalt mit Waffen zieht Maureen Kearney allerdings zurück. Die Siegel mit DNA-Proben aus ihrem Haus sind verschwunden, damit ist die Chance sehr gering, die Identität des Angreifers zu ermitteln und sie möchte nur noch ihre Ruhe haben.
Dieses Ende überrascht nicht …
Dieses Ende überrascht nicht, auch wenn es ein bitteres Ende ist. Genauso bitter stößt aber die Bereitschaft so vieler auf, die gegen Maureen Kearny gerichteten Verleumdungen zu glauben, zu unterstützen und weiterzutragen – aus Angst, aus Feigheit und vielleicht auch aus dem Wunsch heraus, sich von den Misshandlungen und Demütigungen, die Maureen Kearny erlitten hat, abzugrenzen. Von der Scham konnte Maureen Kearny sich lösen, aber die Scham hat nicht die Seite gewechselt. Jedenfalls wird in dem Buch nicht berichtet, dass auch nur einer der beteiligten Ermittler und Justizangestellten sich bei ihr entschuldigt hätte. Wie beschämend.
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Caroline Michel-Aguirre, Die Gewerkschafterin – Im Räderwerk der Atommafia, Edition e!nwurf, 2025
aus dem Französischen von Eva Stegen
224 Seiten, ISBN:978-3-89684-727-0
