
Bereits vor über 10 Jahren wurden die globalen Nachhaltigkeitsziele mit der Agenda 2030 in Paris von allen Ländern der Welt unterzeichnet. Und nun? Nun kommt mit „Kleine Helden, große Ziele“, erschienen im November 2025 bei oekom, dieses bedeutende Buch zu den 17 SDGs heraus – und zeigt damit auf die größte Leerstelle der neueren Politik.
Ein Kinderbuch! Ja und nein. Ein Kinderbuch, dass ich als Vorlesebuch bzw. Mitlesebuch für Kinder und Erwachsene empfehle. Für Jugendliche ist es als Allein-Lektüre geeignet, da diese die weitreichenden globalen Zusammenhänge besser einordenen können. Denn der Text macht darauf aufmerksam, dass bisher kaum weltweit Maßnahmen entlang der 17 Zielen zur Verbesserung des zukünftigen Lebens der Menschheit unternommen wurden.
Diese Bürde, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele immer weiter in die Zukunft zu verschieben und damit den Kindern aufzuladen, findet unsere Rezensentin für die Klimabuchmesse, Helga Egetenmeier, ungerecht und nicht mit dem Grundgesetz konform. Deshalb sollte dieses Buch Pflichtlektüre im Bundestag sein, so ihr Vorschlag. Denn es ist ein toll aufgemachtes Kinderbuch, das auch Erwachsenen einfach erklärt, wie wir die Welt – ebenfalls einfach – zu einem besseren Ort für Alle machen könnten.
Agenda 2030: Große Ziele brauchen auch kleine Helden
Geschrieben wurden diese 17 Geschichten zu den Nachhaltigkeitszielen von der Diplom-Meteorologin und Klimakommunikatorin Michaela Koschak. Sie verbindet darin die Ideen hinter den Nachhaltigkeitszielen einfühlsam und konsequent mit der Lebensrealität von Kindern auf der ganzen Welt.
Ohne Schönfärberei beschreibt sie, zum Beispiel, das Kinder-Leben rund um Armut und Hunger, für die Ziel 1: „Keine Armut“ und Ziel 2: „Kein Hunger“ stehen.
Ziel 1: Keine Armut
„Weltweit leben viele Millionen Menschen in extremer Armut. Das bedeutet, sie haben nicht genug Geld für Essen, Kleidung oder ein Zuhause. Ihnen knurrt ständig der Magen und sie werden schneller krank. Außerdem fühlen sie sich oft schmutzig und haben kein Dach über dem Kopf, egal ob es regnet oder eisig kalt ist. Wenn Menschen einen Beruf haben und fair bezahlt werden, können sie besser leben.
Was kannst du tun? Spende Kleidung, Spielzeug oder Schulmaterial an Kinder, die es brauchen.“
Danach folgt, wie nach jedem Ziel, die „To-Do-Liste für kleine Helden“ und dazu eine Geschichte, die das betreffende Nachhaltigkeitsziel verdeutlicht. So wie hier die von „Jamals Alltag in Kenia“, die zuerst von seinem hoffnungslosen Leben in Armut erzählt, bis durch eine Hilfe von außen sich Jamals Leben, und das seines Dorfes, verbessert.
Ziel 2: Kein Hunger
„Millionen Menschen leiden an Hunger. Viele Kinder gehen jeden Abend hungrig ins Bett, weil sich ihre Familien kein Essen leisten können. Dabei gibt es eigentlich genug Lebensmittel auf dieser Welt für alle – sie werden aber nicht richtig verteilt und bei uns oft verschwendet.
Was kannst du tun? Wirf keine Lebensmittel weg und teile Essen mit anderen, wenn du kannst.“
Hier folgt die Geschichte „Verwöhnte Mia“, bei der ein Kind, dem es an nichts mangelt, auf eine Gleichaltrige in Namibia trifft, deren täglicher Begleiter der Hunger ist, und die dennoch empathisch auf Mias Probleme reagiert.
Die passenden, wie auch wunderschön gestalteten Illustrationen steuerte die Kommunikationsdesignerin Carolin Görtler bei. Herausgegeben wurde dieses Buch für Kinder und ihre Freunde von der Carlowitz-Gesellschaft, Chemnitz, benannt nach dem „Erfinder“ der Nachhaltigkeit.
Carl von Carlowitz: Erste schriftliche Formulierung des Nachhaltigkeitsgedanken
„Nachhaltigkeit ist ein Chemnitzer Gedanke. Global denken, lokal handeln. Hans Carl von Carlowitz gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.“,
so die Webseite der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft e.v. zur Förderung der Nachhaltigkeit.
Interessierte, die ins Detail gehen möchten, können die Definition von Nachhaltigkeit entlang der Ausführungen des sächsischen Kameralisten (Buchhalter der Verwaltung) und Oberberghauptmann von Carlowitz, der in Jena Rechts- und Staatswissenschaften studierte, nachverfolgen. Er veröffentlichte mit der „Sylvicultura oeconomica, oder hauswirthliche Nachricht oder Naturmäßige Anweisung zur wilden Baumzucht“ im Jahr 1713 das erste Buch zur Forstwirtschaft. Und in diesem vermerkte er einen unmissverständlichen Hinweis – fast könnte er Befehl genannt werden – auf nachhaltiges Handeln: er mahnte an, an die nachfolgenden Generationen zu denken. Aus dieser Veröffentlichung leitet sich unser heutiger Nachhaltigkeitsbegriff ab, wie er auch der Agenda 2030 zugrunde liegt.
Ergänzend dazu empfehle ich den vom oekom-Verlag herausgegebenen: „Der oekom podcast – Die guten Seiten der Zukunft“. Darin wird die bei Carlowitz entlehnte Definition von Nachhaltigkeit in einen breiteren historischen Kontext eingeordnet und zeigt eine Bandbreite an Wissen über Nachhaltigkeit, deren Vergessen heute sprachlos macht.
Ein Buch mit einer To-Do-Liste für Weltenretter
Von Ziel 1 „Keine Armut“, zu Ziel 2 „Kein Hunger“, über Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“, bis zu Ziel 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ – um hier einige zu nennen – nimmt sich die Autorin aller Nachhaltigkeitsziele an. Greifbar und nachvollziehbar werden diese Ziele durch die dazugehörige Geschichten über das Leben von Kinder in den unterschiedlichen Teilen unserer Welt.
„Dabei wird es zu jedem Ziel ein tolles Bild und einen kurzen Text geben, den du dir mit dem QR-Code sogar anhören kannst. Und das Beste: Du findest auf jeder Seite Ideen, was DU selbst tun kannst.“
Dieses Buch ist wie ein großes Herz für alle Kinder dieser Welt.
Deshalb wünscht eure Rezensentin jedem Kind eine erwachsene Person an die Seite, um dieses Buch gemeinsam zu entdecken. Es sollte, neben den Bundestagsabgeordneten, auch Pflichtlektüre für Vorschulkinder sein, damit sich darüber die für die Bildung Zuständigen ihrer Verantwortung für die nahe Zukunft ihrer Schützlinge bewusst werden.
Durch den Hardcover-Einband liegt „Kleine Helden, große Ziele“ perfekt in der Hand und ist damit wunderbar geeignet zum Vorlesen, gemeinsamen Lesen, Bilder interpretieren und diskutieren.
Für Alle, die Kinder lieben, ein Muss.
Wir bedanken uns bei Helga Egetenmeier für die Rezension für die Klimabuchmesse.
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„Kleine Helden, große Ziele. 17 Ideen, die Welt zu retten“ von Michaela Koschak, Carolin Görtler-Rinderle, Carlowitz-Gesellschaft e.V. (Hrsg.)
oekom, 06.11.2025, 128 Seiten, ISBN: 978-3-98726-504-4, Hardcover, auch als E-Pub und PDF erhältlich
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