Wut, Freude, Angst, Trauer, Begeisterung, Aufregung, Langeweile, Stolz… Die Liste an verschiedenen Gefühlen ist endlos lang und doch kennen die meisten Menschen sie gut und viele fühlen diese tagtäglich. Manche Gefühle sind angenehm, andere eher unangenehm, doch auch diese sind genau so wichtig. Was aber passiert, wenn Trauer, Wut oder Angst nicht einfach wieder weggehen, sondern bleiben und einen Menschen über einen längeren Zeitraum begleiten?

Dieser, und noch vielen weiteren Fragen, widmet sich Lena Steffinger in ihrem selbst illustrierten Buch „Wenn Gefühle aus der Reihe tanzen – Von psychischen Erkrankungen, Wutanfällen und Therapiehunden“, verlegt vom Beltz & Gelberg Verlag. Als Absolventin eines Psychologiestudiums gelingt es ihr, Gefühle und psychische Störungen sowohl kindgerecht als auch wissenschaftlich darzustellen. Dabei liegt der Fokus auf Angststörungen, ADHS, Zwangsstörungen, Autismus und Depressionen. Gleichzeitig bietet das Buch einen Überblick über die verschiedenen Hilfsangebote, beispielsweise über die Formen und Vorgehensweisen der Psychotherapie.

Wenn das Fass überläuft

Um das Konzept der mentalen Gesundheit eines Menschen zu verbildlichen, nutzt Lena Steffinger die Metapher eines Fasses.

„Man kann sich das vorstellen wie bei einem Fass. Jeder Mensch hat ein Fass, in das unterschiedlich viel Flüssigkeit hinein passt. Menschen, bei denen nur noch wenig Wasser hinein passt, sind verletzlicher für psychische Störungen als Menschen, bei denen noch ganz viel Flüssigkeit hinein passt.“

Seelische Hilfe für alle Lebenslagen

Ist das Fass einmal übergelaufen, können Menschen psychische Störungen entwickeln. Lena Steffinger betont dabei, dass Betroffene sich dem Leidensdruck jedoch nicht alleine stellen müssen. Sie verweist auf eine Vielzahl institutioneller Hilfsangebote, von (Tages-)Kliniken und Psycholog*innen über Lehrkräfte an Schulen und Sozialarbeiter*innen bis hin zu niederschwelligen Beratungsstellen und Telefon- und Chatangeboten, die Unterstützung, Orientierung und konkrete Hilfe bieten.

„Bei einer Erkrankung helfen ganz unterschiedliche Dinge und auch die Betroffenen wünschen sich oft ganz unterschiedliche Dinge. Was aber auf jeden Fall ein guter Start ist: zuhören!“

Ein tolles Buch für Groß und Klein

Mentale Gesundheit ist wichtiger denn je, doch wie spricht man mit Kindern so darüber, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse verstehen und einordnen können? Lena Steffinger gelingt genau das: Mit anschaulichen Darstellungen und einprägsamen Metaphern wie dem „Fass“, macht sie komplexe Zusammenhänge greifbar.

Gleichzeitig vermittelt das Buch das beruhigende Gefühl, mit belastenden Emotionen nicht allein zu sein. Es eröffnet einen offenen Austausch über psychische Erkrankungen, so selbstverständlich, wie wir auch über körperliche sprechen. Damit trägt es verständlich, sensibel und niedrigschwellig zur Enttabuisierung mentaler Gesundheit bei.

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Rezensiert hat dieses illustrierte Sachbuch für Menschen ab 9 Jahren Anna Pohl für die Klimabuchmesse.

„Wenn Gefühle aus der Reihe tanzen. Von psychischen Erkrankungen, Wutvulkanen und Therapiehunden“ von Lena Steffinger, Verlag Beltz  & Gelberg, 2025, 70 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-407-75273-4, ab 9 Jahre

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