Bild: Auf dem Bild ist mittig zentriert das Buch "Expeditionen in eine schwindende Welt" von Stefanie Arndt zu sehen. Im Hintergrund sind Eisberge zu sehen in der oberen Hälfte, in der unteren Hälfte Wasser. Auf dem Cover des Buches ist die Autorin selbst in einer dicken dunklen Jacke in der unteren rechten Ecke zu sehen, im Hintergrund links hinten ist ein Schiff zu sehen, welches durch die Eisschollen fährt. Links unten auf das Bild gesetzt: Logo der Klimabuchmesse (Schriftzug, darüber ein aufgeschlagenes Buch, auf dem eine stilisierte Weltkugel liegt).
Die Polarregionen wirken in einem einzigartigen Wechselspiel auf das Klima des gesamten Planeten. Gleichzeitig hat all unser Handeln, unfassbar weit weg von den scheinbar lebensfeindlichen Gebieten um Arktis und Antarktis, direkt und indirekt gravierende Auswirkungen auf unsere Pole.  Stefanie Arndt erklärt in ihrem Buch „Expeditionen in eine schwindende Welt“ diese Zusammenhänge verständlich und schafft damit ein neues Bewusstsein für die Prozesse auf unserem Planeten.

„Es geht also längst nicht mehr nur um die Eisbären, es geht um das Vogelzwitschern, das Sie morgens beim Aufwachen hören, es geht um das Wasser, das aus dem Hahn fließt, wenn Sie sich die Zähne putzen, es geht selbst um das Brötchen, in das Sie beim Frühstück beißen und die vielen Dinge in unserem Alltag, die so selbstverständlich erscheinen, es aber nicht sind.“

Einzigartige Schönheit und kreative Überlebensstrategien von Pflanzen und Tieren

Stefanie Arndt ist seit Kindertagen mit dem Pol-Fieber infiziert. Durch detaillierte, witzige und spannende Beschreibungen der Anpassungskünste der Pol-Bewohner, den Pflanzen und der einzigartigen Landschaft schafft sie es, ihre Leser*innen damit anzustecken. Seien es die Eisbären, die nur auf Meereis erfolgreich Jagd auf die umtriebigen Robben machen können, die Kaiserpinguine in der Antarktis, die sich im Winter zusammenkuscheln und durch ein ausgeklügeltes Wechselsystem jedem Pinguin eine Zeit in der warmen Mitte ermöglichen oder auch die faszinierende Welt der Eis- und Schneekristalle, von denen wahrscheinlich keiner einem anderen gleicht. Fast möchte man den nächsten freien Platz auf dem Forschungsschiff „Polarstern“ gen Pol buchen.

Herausforderung: wissenschaftliche Expedition

Wissenschaftlich in Gebieten außerhalb der menschlichen Komfortzone zu arbeiten, ist nicht nur abwechslungsreich und spannend, sondern auch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Ein Probengefäß mit dick gefütterten Polarfausthandschuhen aufschrauben? Unmöglich. Im „Whiteout“, wo Schneedecke und Himmel scheinbar verschmelzen und keinerlei Orientierung mehr möglich ist, zurück zum warmen Schiff finden? Lebensgefährlich. Neben dem Fachgebiet gehört für Polarforschende noch allerlei Fachfremdes, aber Überlebenswichtiges zum notwendigen Know-How. Jeder Arbeitstag wird dadurch einzigartig. Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Wissenschaft im Klimawandel

Bereits 1893 gelang es dem Forschungsschiff „Fram“, sich von den arktischen Eismassen einfrieren zu lassen und mit der Drift des Meereises durch das Nordpolarmeer zu reisen. Damals dauerte die Drift drei Jahre lang. 125 Jahre später brach die „Polarstern“ erneut zu diesem Abenteuer auf. Hunderte Wissenschaftler*innen, darunter Stefanie Arndt, wollten besser verstehen, wie Atmosphäre, Ozean, Meereis und Ökosystem während der Polarnacht und dem Polartag miteinander in Wechselwirkung stehen. Sie wollten erkunden, wie diese Bausteine bereits jetzt auf das sich wandelnde Klima reagieren und was für die Zukunft zu erwarten ist. Keiner hatte geahnt, dass diesmal die Drift bereits nach 300 Tagen vorbei sein würde. Doch dadurch war ein schneller Abstecher zum Nordpol möglich, für den es noch vor 20 Jahren einen zweiten, stärkeren Eisbrecher und viel mehr Zeit gebraucht hätte.

Expeditionen in eine schwindende Welt

Die Pole, wie wir sie kennen, eine geheimnisvolle, glitzernde, scheinbar unendliche und ewige Eislandschaft, wird es schon in naher Zukunft nicht mehr geben. Die Wissenschaftler*innen arbeiten gegen die Zeit, um die im Eis verborgenen Dinge zu erforschen, bevor es das Eis nicht mehr gibt und versuchen gleichzeitig zu verstehen, welche Prozesse die Pole formen und verändern. Stefanie Arndt versteht es, all die erschreckenden Fakten anschaulich zu benennen und die dahinterstehenden Prozesse zu erklären, aber gleichzeitig durch ihre lesbare Liebe für unseren Planeten mit jeder Zeile auch ein Fünkchen Hoffnung weiterzureichen.

„Und dennoch dürfen diese Hiobsbotschaften kein Grund zur Aufgabe von Klimazielen sein, denn auch wenn wir vorerst den Anstieg des Meeresspiegels nicht aufhalten können, so können wir durch einen Emissionsstopp der Treibhausgase zumindest das Tempo dieser Vorgänge abbremsen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Anstieg des Meeresspiegels durch das Abschmelzen von Gletschern und Eissschilden in diesem Jahrhundert halbiert werden könnte, wenn wir es schaffen, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. „

„Expeditionen in eine schwindende Welt“ von Stefanie Arndt ist 2022 beim Rowohlt-Taschenbuch Verlag erschienen. In der Leseprobe könnt ihr einen Blick ins Buch werfen.

Weitere Klimabuch-Tipps findest du in unserer Klimabuchliste.