
Schaut man sich die Krisen dieser Welt an, verlockt der Titel zum Zugreifen. Wir alle brauchen gerade jetzt Hoffnung, Mut und neue Perspektiven. Und genau dieser Optimismus zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Rossmann und Settele nehmen keine überheblichen Positionen ein und schreiben nicht von oben herab, sondern beschreiben ihre Sorgen um die aktuelle gesellschaftliche Lage. Das merkt man auf jeder Seite. Sie sprechen viele Themen an, die uns alle betreffen: Klimakrise, soziale Ungleichheit, politische Spaltung, die Rolle der Wirtschaft und die Verantwortung jedes Einzelnen. Dabei bleiben sie erstaunlich bodenständig und ehrlich, manchmal fast schon etwas sehr direkt.
Die persönliche Seite
Das Buch zeigt viel Persönlichkeit. Rossmann erzählt viel aus seinem eigenen Leben. Er berichtet von seiner Kindheit, dem Aufbau seines Unternehmens, seinen Begegnungen mit Politikern und Wissenschaftlern, aber auch von Zweifeln und Ängsten. Das macht das Buch sehr persönlich und glaubwürdig. Es gibt viele kleine Geschichten, Anekdoten und Beobachtungen aus seinem Alltag. Man merkt schnell das Rossmann voller Tatendrang steckt und Dinge anpackt. Der Blick hinter die Kulissen vermittelt mehr Tiefe in das Unternehmen und die Grundsätze von Rossmann.
Die Komplexität von Verantwortung der Unternehmen
Josef Settele, promovierter Agrarwissenschaftler, Insektenkundler und Biodiversitätsforscher, führt als Co-Autor zusammen mit Rossmann in den thematisch sortierten Kapiteln Interviews mit Experten, die das Buch auflockern. Die verschiedenen Meinungen, das Fachwissen und die Hintergründe verleihen dem Buch Tiefe und erweitern die Perspektiven.
Es geht viel um die Themenbereiche Klima und Nachhaltigkeit. Rossmann ist überzeugt, dass wir keine Zeit mehr haben, um pessimistisch zu sein oder auf andere zu warten. Er fordert, dass jede*r, egal ob Politiker*in, Unternehmer*in oder Privatperson, Verantwortung übernimmt. Seine Erfahrungen und Schilderungen bezieht er aus seinem eigenen Unternehmen. Hier zeigt er die Herausforderungen auf, die es mit sich bringt, in einem großen Unternehmen Veränderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ressourcenschonung umzusetzen. Auch er hatte mit Zweifeln, Widerständen und Rückschlägen zu kämpfen. Trotz alledem hat Rossmann durch seine Beharrlichkeit Wege erschlossen. Mich persönlich haben der Optimismus und der Glaube an das Gute im Menschen beeindruckt.
Rossmann weiß um die Schwierigkeiten, die Komplexität der Probleme und die Macht der Gewohnheit. Aber er hat einen festen Glauben, das Veränderungen möglich sind, wenn man auch genug Eigenmotivation mitbringt.
Es gibt viele praktische Beispiele, wie man im Alltag nachhaltiger leben kann, ohne gleich sein ganzes Leben umkrempeln zu müssen. Das fand ich sehr ermutigend, weil es eben nicht um Perfektion geht, sondern um kleine Schritte, die jeder gehen kann. So geht er auch detailliert darauf ein, warum Moore so eine wichtige Rolle spielen und was das Problem an Mikroplastik ist. Ich denke, das ist sehr wichtig, um den Leser*innen Hintergrundinformationen zu geben, damit die Komplexität unseres Ökosystems verstanden wird. Und jedem bewusst wird, warum man was ändern sollte und muss, um unsere Welt zu retten.
Der Wandel
Ein mehr kontroverses Thema ist Politik und gesellschaftlicher Wandel als Veränderungsprozess. Das ist generell ein Knackpunkt in der Thematik, da zunehmend eine Politikverdrossenheit bei den Menschen zu beobachten ist. Im Kapitel Transformation skizziert Prof. Dr. Maja Göpel in einem Interview sehr deutlich, wie man einen gesellschaftlichen Wandel durch das Setzen neuer Narrative setzen kann. Wir müssen unsere Werte und Lebensweisen überdenken und die Gestaltung unserer Zukunft in die Hand nehmen. Kernpunkt ist es, motiviert zu werden, selbst aktiv an der Gestaltung unserer Zukunft mitzuwirken.
„Narrative skizzieren Ziele beziehungsweise Möglichkeitsräume und auch Ideen, wie wir dahin kommen“,
so Maja Göpel.
Diese neue Herangehensweise ist wichtig, um das eigene Handeln zu hinterfragen und seine Glaubenssätze zu überprüfen.
Mut zur Veränderung
Das Besondere an dem Buch ist die Mischung aus persönlicher Erfahrung, gesellschaftlicher Analyse und ganz praktischen Tipps. Man darf sich das jetzt nicht wie einen klassischen Ratgeber vorstellen, sondern es soll eher Anregungen geben, selbst was in die Hand zu nehmen und Gestalter*in ihrer und seiner Zukunft zu werden.
Besonders bewegend fand ich die Passagen, in denen Rossmann über seine Ängste spricht: die Angst um die Zukunft seiner Enkel und die Sorge, dass wir als Gesellschaft die Herausforderungen nicht meistern könnten. Aber statt sich davon lähmen zu lassen, schöpft er daraus Energie. Das hat mich wirklich beeindruckt. Es ist diese Mischung aus Sorge und Tatendrang, aus Nachdenklichkeit und Optimismus, die das Buch für mich so lesenswert macht. So wird sich jede*r Leser*in in dem ein oder anderen Gedanken der Besorgnis wiederfinden können.
Am Ende bleibt für mich vor allem eine Botschaft hängen: Wir haben keine Zeit für Pessimismus.
Es bringt nichts, sich in Weltuntergangsstimmung zu verlieren oder auf die „großen Lösungen“ von Politik und Wirtschaft zu warten. Jede*r kann und sollte etwas tun, und sei es noch so klein. Rossmann macht Mut, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und nicht aufzugeben. Das ist in einer Zeit, in der viele Menschen resignieren oder sich abwenden, ein wichtiges und starkes Signal.
Mein Fazit: „Keine Zeit für Pessimismus“ ist ein Buch, das Mut macht, ohne die Augen vor den Problemen zu verschließen.
Es liefert einen sehr persönlichen Einblick hinter die Kulissen von Dirk Rossmann, und gleichzeitig viele sachliche Informationen und Hintergrundwissen. Diese Kombination macht es zu einem guten Alltagsbegleiter, um zu verstehen, wo man in seinem Alltag schon eine Veränderung herbeirufen kann. Welche sich also immer schon mal gefragt haben, was sie selbst zu einer besseren Welt beitragen können und wie sie auch in großen Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen können, sollten dieses Buch unbedingt lesen.
Es ist eine Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen – und vielleicht ein bisschen besser zu machen.
„Keine Zeit für Pessimismus. Ideen für eine bessere Welt“ von Dirk Rossmann und Josef Settele, Quadriga / Bastei-Lübbe, 2025, 264 Seiten.
