
Bereits vor längerem hat Maja Lunde mit „Der Traum von einem Baum“ ihr Klimaquartett beendet. Im Frühjahr 2023 erschienen, hat sich seitdem die Welt noch nicht besonnen, den aktuellen und zukünftigen Klimaverwüstungen gemeinsam entgegen zu treten. Deshalb bleiben wir von der Klimabuchmesse weiter dabei, die Geschichten zu verbreiten, die Lust auf Zukunft machen. Danke, dass ihr uns unterstützt, Klima- und Generationengerechtigkeit zu erreichen.
Das Buch von Maja Lunde, dass bei btb Penguin erschienen ist, rezensierte für die KBM die Buchbloggerin Antje Tomfohrde.
„Sie lebten auf der Müllhalde des modernen Menschen. Sie hatten sich von Konsumgütern abhängig gemacht, in denen der moderne Mensch geschwelgt hatte, aber sie wussten, sie mussten sich losreißen.“
Zurück zu den Wurzeln
Nachdem sich Maja Lunde in „Die Geschichte der Bienen“, „Die Geschichte des Wassers“ und „Die Letzten ihrer Art“ mit dem Fortschreiten des Artensterbens, der Verwüstung des südlichen Europas und des globalen Südens beschäftigt hat, geht es in „Der Traum von einem Baum“ um alles: um nichts weniger als das Überleben der Menschheit.
Die Gebiete, in denen noch Landwirtschaft betrieben werden kann, werfen nicht mehr genug ab. So wird große Hoffnung darauf gesetzt, noch eine der letzten Saatgutkammern mit dem ursprünglichen, noch nicht gentechnisch veränderten Pflanzensamen zu finden.
Wir schreiben das Jahr 2110, als Tao (bekannt aus „Die Geschichte der Bienen“) eine Expedition von China nach Spitzbergen begleitet. Es gab einen Funkspruch, dass dort noch eine Saatgutkammer existiert.
Spitzbergen
Tommy lebt mit seinen beiden Brüdern und seiner Großmutter auf dieser norwegischen Insel. Bislang waren sie recht abgeschottet von der Außenwelt und konnten dank eines riesigen Gewächshauses gut klarkommen. Allerdings ist allen Bewohnern klar, dass es nicht ewig so bleiben wird und sie sich immer mehr auf ein anderes Leben umstellen müssen, in dem sie alles wieder selbst herstellen müssen und nicht auf vorgefertigte Alltagsgegenstände zurückgreifen können. Es ist ein Leben zurück zu den Wurzeln, weg von der Zivilisation. Durch ein Virus wird die dortige Bevölkerung auf Tommy, seine Brüder, die Großmutter und zwei Mädchen reduziert.
Maja Lunde erzählt das Buch aus der Zukunft in die Vergangenheit und man erfährt erst nach und nach, was sich in dieser Gemeinde zugetragen hat. Erst nach und nach entwickelt sich ein Bild dessen, was passiert ist, und wie die chinesische Expedition nach Spitzbergen kam.
Es gibt nur wenig Hoffnung
„Der Traum von einem Baum“ verspricht nur wenig Hoffnung. Die Geschichte spielt in einer dystopischen Welt, in der große Teile der Erde durch den Menschen und den menschengemachten Klimawandel unbewohnbar geworden sind. Die Hoffnung ruht auf der Natur, auf der Kraft der Natur, um mit der ursprünglichen Saat einen Neustart zu schaffen. Immerhin so viel Weisheit hat die Menschheit dann doch gewonnen, um zu erkennen, worauf es ankommt und was nicht weiter zerstört werden darf.
Maja Lunde verbindet mit diesem Buch alle vier Bände des Klimaquartetts und lässt die Lesenden nachdenklich zurück. Sie schwingt nicht ununterbrochen den Zeigefinger, sondern verpackt die Moral in eine spannende Geschichte, die vom Überleben in einer feindlichen Welt erzählt und den Tiefen der menschlichen Seele.
Zwischen Realität und Fiktion
Uns wird der Spiegel vorgehalten. Was kann passieren, wenn wir nicht einen anderen Weg gehen? Sie entwickelt im Klimaquartett einen Spannungsbogen, der mit dem Bienensterben beginnt, in großen Fluchtbewegungen durch sich verwüstende Gebiete verstärkt wird, mit dem Artensterben als Beschleuniger, und der immer weniger ertragreichen Landwirtschaft, die immer weniger Menschen ernähren kann.
Es ist nicht so, dass das Buch auf einer komplett ausgedachten Geschichte beruht. Die Autorin hat sich zu den Inhalten informiert und stand in Kontakt mit Menschen, die sich mit dem Thema ihrer Bücher auskennen. Und das ist das Erschreckende, wenn wir den Weg wie bisher weitergehen, wird es das Ende dessen sein, was wir als Zivilisation kennen.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer lässt Maja Lunde uns jedoch: noch können wir umkehren oder einen anderen Weg beschreiten. Hören wir wieder auf die Natur und leben nicht ständig gegen sie – und leben wir vor allem nicht ständig gegen die Zukunft der Generationen, die nach uns kommen.
Maja Lunde hat eine traurige Dystopie geschrieben, lassen wir sie nicht Wirklichkeit werden.
„Der Traum von einem Baum“ von Maja Lunde
wurde von Ursel Allenstein aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt und
erschien am 20.04.2023 im btb Verlag (Penguin Random House).
