
Der renommierte Klimaforscher und mehrfache Bestsellerautor Mojib Latif erklärt in seinem Buch „Klimahandel“ unermüdlich die Ursachen und die Gefahren des menschengemachten Klimawandels.
Doch „dieses Buch ist viel mehr: Es erfasst die komplexen Zusammenhänge zwischen unserer Umwelt, der kapitalistischen Weltwirtschaft und uns Menschen.“ „Schon mit dem wortspielerischen Titel `Klimahandel` spricht Mojib Latif mutig einen Vorwurf aus, der bestimmt nicht nur mir so oft im Kopf herumgeistert“, sagt Tamara Emmerichs, die das Buch für die Klimabuchmesse rezensiert hat.
„Die Menschheit ist hauptsächlich aus wirtschaftlichen Erwägungen dabei, das Klima zu ruinieren.“
Die Fieberkurve der Erde
Menschliche Aktivitäten, hauptsächlich Verbrennungsprozesse stoßen weiterhin Unmengen von CO2 aus, was zur Anreicherung des stärksten Treibhausgases führt. CO2 wiederum nimmt das Sonnenlicht auf, wodurch sich die Erdatmosphäre erwärmt. Es kommt zum sogenannten menschliche Treibhauseffekt. Trotz zahlreicher Weckrufe auf den internationalen Klimakonferenzen seit 1979, gab es außer dem kurzzeitigen Einbruch des CO2-Anstiegs während der Pandemie keine Verbesserung. Im Gegenteil viele Menschen lügen sich in die Tasche und es gibt immer noch zahlreiche Skeptiker:innen und Klimaleugner:innen. Die haltlosen Argumente werden von Latif allerdings alle entkräftet. So ist der CO2-Gehalt in der Atmosphäre heute auf eine Konzentration von 420 ppm (parts per million), beinahe 150 % der vorindustriellen Zeit, gestiegen. Die Erde hat sprichwörtlich Fieber! Das habe verheerende Umweltkatastrophen wie Hitze, Dürren, Starkregen und tropische Wirbelstürme zufolge, berichtet Latif im Detail.
Ein verhängnisvolles Spiel auf Zeit
Damit allerdings nicht genug. Jetzt geht es ans Eingemachte. Faktensicher und sachorientiert berichtet Latif von den enorm verstärkten Gesundheitsrisiken durch erhöhte Luftverschmutzung, das Verbreitungsrisiko von Infektionskrankheiten und Dehydrierung in Folge der starken Hitze weltweit. Die klaffenden Wunden im tropischen Regenwald, der den weltweiten Energie- und Wasserhaushalt steuert, liefern bedrückende Beweise für die Zerstörung von Landschaften und Ökosystemen mit weitreichenden Klimafolgen.
„Eine gesunde Erde ist die Grundlage unseres Lebens und Wirtschaftens, aber viele Menschen sind weiterhin untätig, ja sie gehen oft sogar sorglos mit Umweltressourcen um.“
Moment – so ganz stimmt das ja nun nicht, würdet ihr jetzt sagen. Ja, es gibt viele Initiativen wie Fridays for Future, die sich wie wir, Klimabuchmesse, für das Klima einsetzen. Mojib Latif erkennt auch die politischen Erfolge bei den erneuerbaren Energien in Deutschland an und behauptet: Wir haben die richtigen Technologien. Die Gegenargumente wie die mangelnde Finanzierbarkeit und die Gefährdung des Wirtschaftsstandorts, sind in seinen Augen jedoch kurzfristige Sichtweisen, die immer wieder Transformationsprozesse behindern. So ist die Dringlichkeit, das Klima zu retten, noch nicht in allen Köpfen angelangt. Es dominieren verschiedene wirtschaftliche, oft egoistische Interessen, wie es aktuell an der weltpolitischen Lage nochmals deutlich wird.
„Die Weltgemeinschaft müsste den Umweltschutz als gemeinsames Projekt verstehen. […]. Wäre das zu viel verlangt von der Gattung Homo sapiens, das den Begriff Vernunft im Namen trägt? “
Es ist so viel Fachwissen enthalten, dass die inhaltliche Zusammenfassung und Zitierung schwerfällt. Auch benötigte ich beim Lesen viel Resilienz und Durchhaltevermögen, um noch weitere schlechte Nachrichten zu verkraften. Der Wissenschaftler und Autor, motiviert uns jedoch, indem er Emotionen und Zukunftsvisionen anspricht, weiterhin dafür, die gemeinsame Zukunft trotz jeglicher Hindernisse mitzugestalten.
Mojib Latif: Klimahandel. Herder, 2024, 239 Seiten
978-3-451-39585-7
