Die Natur als Freundin – eine Einladung zum Erleben

Das liebevoll illustrierte Kinderbuch „Meine Freundin, die Natur“ von Laura Knowles (Atrium Verlag, 2024) bietet mehr als nur Sachwissen: Es öffnet den Blick auf eine freundschaftliche Beziehung zur Natur. Dabei folgt das Buch einem sanften, aber sehr durchdachten pädagogischen Prozess, in dem Naturerfahrungen, kindgerechtes Wissen und Impulse zur Selbstwirksamkeit miteinander verwoben werden.

Schon das Titelkonzept macht deutlich: Die Natur ist in diesem Buch nicht nur ein Thema, sie wird zur persönlichen Begleiterin – eine „Freundin“, mit der man lachen, lernen, staunen und wachsen kann.

Für die Klimabuchmesse gelesen und rezensiert hat „Meine Freundin, die Natur“ Juliane Wellmann, unsere Natur- und Bildungspädagogin im Spessart.

Impulse zum Staunen und Nachmachen

Immer wieder werden die Sinne der Kinder durch kleine Aufgaben oder Fragen angeregt:

„Wie fühlt sich ein Blatt auf deiner Haut an?“

oder

„Kannst du mucksmäuschenstill sein wie ein Reh im Wald?“

Solche Impulse machen das Erleben der Natur konkret – sie laden zum Nachahmen ein, regen zur Bewegung an oder schaffen einen Moment der Stille.

Dabei bleibt der Ton stets ermutigend. Es gibt keine strengen Regeln, sondern viele kleine Anstöße, wie man sich selbst und die Umwelt besser wahrnehmen kann. Kinder werden nicht belehrt, sondern begleitet – und das mit einer spürbaren Wertschätzung für ihr eigenes Tempo und ihre Fantasie.

Informativ und kindgerecht erklärt

Neben dem Erleben kommt auch das Lernen über Natur nicht zu kurz: Mit altersgerechten Informationen über Blütenaufbau, Tierarten oder Kreisläufe in der Natur (wie z. B. der Verpuppung beim Schmetterling) bietet das Buch ein solides Grundwissen – ohne trocken zu wirken. Der Text ist klar, bildhaft und ergänzt durch sympathische Illustrationen von Rebecca Gibbon, die das Buch sehr zugänglich machen.

Fantasie, Empathie und ein Blick über den Tellerrand

Ein zentrales Element des Buchs ist die Einladung, in andere Lebenswelten einzutauchen: Tiere, Pflanzen, Jahreszeiten – alles darf mit kindlicher Neugier erkundet werden. Dabei entsteht nicht nur ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge, sondern auch für das eigene Gefühl:

„Denn gute Freund*innen sorgen füreinander.“

Und das gilt auch für die Beziehung zur Natur.

Diese Verbindung von emotionaler Tiefe und Wissensvermittlung ist besonders im Hinblick auf die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bedeutsam: Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen – nicht aus Zwang, sondern aus einem Gefühl echter Zugehörigkeit.

Freundliche Mahnungen statt erhobenem Zeigefinger

Auch kritische Themen wie Umweltverschmutzung oder menschliches Fehlverhalten gegenüber der Natur kommen vor – aber in einer Art, die nicht ängstigt, sondern ermutigt. Statt Untergangsszenarien wird Hoffnung vermittelt: Die Natur sei zwar bedroht, aber nicht verloren:

„Denn die Natur kann nie genug FreundiInnen haben.“

Diese sanfte Art, Verantwortung zu vermitteln, ist einer der größten Stärken des Buches. Besonders gelungen: Die Verbindung von Umweltwissen mit konkreten Handlungsmöglichkeiten – sei es durch Müllsammeln, durch Achtsamkeit oder durch kleine kreative Aktionen im Alltag.

Selbstwirksamkeit als Schlüssel zur Naturverbindung

Ein durchgehendes Motiv ist die Selbstermächtigung: Die Kinder sind nicht nur BeobachteriInnen, sondern aktive GestalteriInnen ihrer Beziehung zur Natur. Sie dürfen mitdenken, mitfühlen und mitgestalten. Dies wird auch durch Vorbilder wie die junge Umweltaktivistin Lilly Platt verstärkt.

Besonders eindrücklich:

„Da die Natur nicht für sich selbst sprechen kann, ist es unsere Aufgabe, ihr eine Stimme zu geben […]“.

Solche Aussagen fördern ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, welches Kinder nachhaltig prägen kann – ein wichtiges Fundament für Naturbewusstsein und Mitgefühl.

Ein poetisches, motivierendes Gesamtwerk

Neben den Inhalten überzeugen auch die sprachliche Gestaltung und das Buchdesign. Immer wieder tauchen poetische Zeilen auf, etwa von Annette Wynne, die das Lesen zu einem ästhetischen Erlebnis machen. Gleichzeitig ist die Botschaft klar: Die Natur ist ein Raum des Trostes, der Kraft, des Spiels und des Innehaltens. Für Kinder – aber auch für Erwachsene.

„Wenn du gestresst, ängstlich oder traurig bist, kann die Natur einen ruhigen Ort bieten […] Und wenn du glücklich bist oder dich mal austoben willst, kannst du auch das in der Natur machen.“

Fazit: Meine Freundin, die Natur von Laura Knowles ist eine herzöffnende Einladung, die Welt draußen mit neuen Augen zu sehen – und sich dabei selbst als wirksam und verbunden zu erleben.
Es vermittelt fundiertes Wissen, ohne zu überfordern, und weckt Lust auf Natur, Erleben, Mitgefühl und kleine Taten mit großer Wirkung. Ein wertvoller Begleiter für Kinder ab 6 Jahren – besonders für alle, die Natur neu entdecken oder anderen dabei helfen möchten.

„Meine Freundin, die Natur“ von Laura Knowles, Illustration: Rebecca Gibbon, Atrium Verlag, Zürich 2024, 72 Seiten.

Hier geht es zur Leseprobe.

Weitere Klimabuch-Tipps findest du in unserer Klimabuchliste.