Sprechen über Klimaschutz kann sehr unangenehm sein: Persönliche Angriffe, Ideologievorwürfe, Genervtheit…
In „Besser um die Zukunft streiten“ zeigen fünf Philosophinnen und Philosophen, dass stattdessen auch eine sachliche Diskussion auf Basis von Argumenten möglich ist. Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser und Christian Seidel nehmen sich zwanzig typische Aussagen vor, die oft fallen, wenn es ums Klima geht, und prüfen: Welche Argumente sind wirklich schlüssig?
Die Rechtsanwältin und Redakteurin Luisa Milazzo hat das 2026 im Hanser Verlag erschienene Buch gelesen und stellt es für die Klimabuchmesse vor:
Konstruktiv übers Klima sprechen: geht das?
Wenn es nach den promovierten Philosoph:innen und Philosophieprofessor:innen geht, die „Besser um die Zukunft streiten“ geschrieben haben, dann ist die Antwort ein eindeutiges „Ja“. Sie zeigen, wie das funktioniert: Die eigenen Überzeugungen hinterfragen, sich über den eigenen Standpunkt klar werden, die Argumente aller Seiten ernst nehmen und sie ergebnisoffen prüfen, statt mit vorgefasster Meinung. Dafür nehmen Sie sich häufige Argumente vor und sehen sich diese mit genau diesem Blick an, der die Philosophie seit jeher prägt.
Welche Rolle spielen Wissenschaft und Philosophie?
Reicht „Follow the science“, um die Frage zu beantworten, was wir Menschen tun und lassen sollen? Oder braucht es mehr als wissenschaftliche Fakten, um ethische Aussagen zu treffen? Ist vielleicht alles subjektiv, und wir können gar nicht bewerten, welches Handeln richtig ist? Und ist womöglich der Diskurs über den Klimawandel zu moralistisch?
Die Autorinnen geben klare Antworten aus philosophischer Warte: Naturwissenschaftliche Fakten allein geben nicht vor, wie wir handeln sollen. Aber Ethik ist nicht beliebig und ebenso wenig sind es die Grenzen der Moral: Wir können vernünftig auf Basis von Argumenten darüber diskutieren – und nicht jedes Argument ist schlüssig.
Klimawandel – Klimakrise – Klimakatastrophe: Wie groß ist eigentlich das Problem?
Leben wir nicht eigentlich in der besten aller Zeiten? Ist das mit dem Klimawandel wirklich alles so sicher? Und lässt sich die Katastrophe überhaupt noch aufhalten? Ist die Klimakrise nicht aus kosmischer Perspektive nichtig und klein?
Auch diesen Fragen nehmen die Philosph:innen sich an und nehmen die Argumente ernst. Ja, wir leben wirklich heute besser als früher. Und tatsächlich gibt es auch in der Klimawissenschaft Unsicherheiten. Außerdem stimmt es auch, dass wir schon jetzt mitten in der Katastrophe stecken. Richtig ist auch, dass es möglich ist, eine Perspektive einzunehmen, aus der alle Probleme der Menschheit nichtig erscheinen.
Aber daraus lässt sich nicht schlüssig schließen, dass es richtig wäre, keinen Klimaschutz zu betreiben.
Verantwortung fürs Klima
Das Buch stellt nicht nur dar, warum auch geteilte Verantwortung Verantwortung bleibt, sondern befasst sich auch kritisch mit den Parolen vieler Menschen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung. Hier wird es wirklich spannend. Sind tatsächlich die eigentlichen Probleme der Kapitalismus, oder das Wachstum? Oder braucht es vielleicht sogar Wachstum? Was ist gerecht, was nicht? Was dürfen wir uns gönnen? Wie können wir abwägen?
Echte und vermeintliche Lösungen
Auch häufig genannte Lösungsangebote werden einer kritischen Überprüfung unterzogen: Sollten wir das Kinderkriegen sein lassen, weil jeder weitere Mensch dem Klima schadet? Rettet uns eine CO2-Steuer, wenn sie nur hoch genug ist? Werden uns technische Lösungen retten? Und können und sollten wir Emissionen kompensieren?
Klimapolitik
Schließlich widmet sich das Buch der Klimapolitik: Darf Klimaschutz auf Kosten der Freiheit gehen? Braucht es für effektiven Klimaschutz eine Ökodiktatur? Ist sozial gerechter Klimaschutz möglich, obwohl sich Arme weder E-Auto noch Wärmepumpe leisten können? Betreiben wir verwerflichen Klima-Kolonialismus? Und was ist eigentlich mit zivilem Ungehorsam?
Fazit
Das Buch bietet zwar keine Anleitung, wie sich Menschen zurückgewinnen lassen, mit denen kein sachlicher Diskurs mehr möglich ist. Aber auf nur 135 Seiten (samt Vorwort, Quellen und Vorstellung der Autor:innen) schafft es, dieses zu zeigen: Moral und Ethik sind nicht beliebig. Sie helfen uns, Argumente in der Klima-Debatte sachlich zu prüfen. Dabei kommt, trotz der Kürze des Textes, kaum ein Thema zu kurz.
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„Besser um die Zukunft streiten“ von Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser, Christian Seidel, Hanser Literaturverlage, Januar 2026, 136 Seiten, ISBN: 978-3-446-28563-7
Hier geht es zur Leseprobe.
