Wie jetzt, Hoffnung? Was soll das? Es ist doch gerade alles Mist. Die Politik macht keinen Spaß mehr, und längst schockt es keinen mehr, wenn der nächste Missbrauchsskandal veröffentlicht wird. Unwetterkatastrophen in Italien oder Griechenland … wen interessiert das überhaupt noch …
So oder so ähnlich geht es wohl den meisten von uns manchmal. Doch genau dann ist Theresa Hannigs wunderschönes kleines Sammelbändchen „Über morgen“, im wunderbaren Hirnkostverlag erschienen, die richtige Bett- oder Badewannen-Lektüre.
Freunde aus der Zukunft sind die beste Hilfe
Theresa Hanning erzählt kurze Geschichten aus einer besseren Zukunft. Sie berichtet von ihrem Freund Felix, dem Zeitreisenden, der sie besucht, um ihr Stoff für ihre taz-Kolumnen zu liefern und ihr erzählt, wie wir am Ende doch noch alles hinbekommen haben. So lernen wir, wie wir mit Hilfe einer mit Poesie trainierten KI Politik machen werden, in der nicht nur die Reichen und Mächtigen berücksichtigt werden. Oder, dass mit Hilfe eines Gentricks endlich das Patriarchat wirklich überwunden wurde. Aber auch, dass wir das mit der Landwirtschaft hinbekommen: keine frustrierten Bauern mehr, sondern Traumjob Acker. Besonders Hoffnung macht mir auch, dass Politiker*innen in der Zukunft keine Quatsch mehr reden dürfen, da der automatische Faktencheck sofort Alarm schlagen würde.
Zurückkommen in die Selbstwirksamkeit
Beeindruckend fand ich auch den Gedanken, dass Halloween zum wichtigsten Fest wird, um dem Gruseln und der Angst ein Ventil zu geben.
„Aber Angst, Wut und Trauer sind starke und berechtigte Antriebe für unsere Handeln. Wenn wir lernen, sie zuzulassen, auszuhalten und ihren Ursprung verstehen, können wir selbst viel ausgeglichener durchs Leben gehen und reflektierte Entscheidungen treffen.“
Großartig ist auch Felix Plädoyer weg von den großen Weltnachrichten hin zu dem, was bei uns vor Ort geschieht. Denn
„Wenn ich an all die Probleme auf der Welt denke … dann werde ich depressiv“,
denn die großen Katastrophen, die in den Nachrichten und auf Social Media verbreitet werden, lassen mich ohne Handlungsoption und damit mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück.
„Dabei ist die Kommune, der Zusammenhalt kleiner Gruppen und das Engagement und die Wertschätzung dort der Kern einer jeden Gemeinschaft.“
Das ist nicht nur Balsam für die Seele, sondern durchaus sehr unterhaltsam und humorvoll – und Lachen ist bekanntlich die beste Medizin. Wenn wir dann erholt am nächsten Morgen wieder aufwachen oder herrlich von innen aufgewärmt aus der Badewanne steigen, dann ist der Geist auch wieder frei, um all das zu sehen, was auch jetzt schon Lust auf Zukunft macht!
Absolute Leseempfehlung!
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Rezensiert für die Klimabuchmesse hat „Über Morgen“ Almut Petschauer.
PS: Theresa Hannig liest auf unserer Klimabuchmesse exklusiv für die Workshopteilnehmer*innen „Schreiben für eine gute Zukunft – Leben wir eigentlich noch in der richtigen Story?“ Kreativer Schreibworkshop mit Anna-Lena Fuhrmann am Samstag, 21. März 2026, 10:30 – 15:30 Uhr, mehr unter: Programm Klimabuchmesse
„Über Morgen. Geschichten aus einer besseren Zukunft“ von Theresa Hannig, Verlag Hirnkost. Engagierte Literatur, 2025, 132 Seiten, ISBN: 978-3-98857-141-0
Hier geht es zur Leseprobe.
