Greenwashing ist kein Versehen – es ist Strategie.
Das Buch „Greenwashing“ erschienen im Oekom-Verlag, geschrieben von der Greenpeace Reporterin Ursula Bittner, deckt die bittere Wahrheit hinter den scheinheiligen Versprechen der Klimaneutralität großer Unternehmen auf. Sie fokussiert sich dabei auf die Bereiche der fossilen Energiekonzerne, Finanzdienstleister, Fast Fashion-Unternehmen und der Agrarpolitik. Alle Bereiche investieren mehr Geld in Marketingstrategien zur Verschleierung ihrer wahren Machenschaften als in realen Klimaschutz.
Scheinlösungen statt realer Klimaschutz
Fossile Energieunternehmen betreiben weiter Förderung von Öl und Gas, bewerben aber neue Technologien und bauen Pipelines für Wasserstofftransport. Diese können aber nicht genutzt werden, sondern transportieren weiterhin Gas. Auch die Speicherung von CCS im Boden, ist eine Scheinlösung, die erhebliche Risiken mit sich bringt. Statt Erneuerbare Energien weiter auszubauen, werden Gesetze behindert, Konsument*innen abgelenkt und getäuscht.
Auch im Bereich Fast Fashion, werden nachhaltige Materialien beworben, Zertifikate entwickelt die keinerlei Kontrollen unterliegen und keine nachvollziehbare Recyclingstrategie beinhalten. Wiederverwendete Materialien wie Polyester unterliegen dem Abrieb, Auswaschung und Zerfall und gelangen so weiter in die Umwelt. Durch die Entwicklung von Zertifikaten der Hersteller sollen Verbraucher*innen beruhigt und in ihrer Kaufentscheidung gelenkt werden, obwohl es keinerlei nachvollziehbare Lieferketten gibt.
Scheinklimaschutz durch Kompensation
In fast allen Bereichen werben großen Unternehmen mit Kompensationen ihres CO2 Ausstoßes. So werden Bäume gepflanzt, Bienenstöcke gekauft, die Aufforstung unterstützt um einen Ausgleich zu erreichen. Diese Kompensationen sind aber nur Scheinlösungen. Gerodete Flächen und die Verdrängung von Arten an einem Ort kann nicht an andere Stelle wiederhergestellt werden. Ein Ökosystem ist sehr sensibel und ist sehr stark vernetzt. Der Glaube, man könnte sich klimaschädlich/umweltzerstörerisch verhalten und das an anderer Stelle wieder gut machen, ist eine Illusion. So wollen Unternehmen ihr klimaschädliches Verhalten abschwächen und den Verbraucher täuschen. Die Autorin bezeichnet CO2-Kompensationen als modernen Ablasshandel. Sie betont, dass damit umweltschädliches Verhalten weiter befeuert wird statt Co2 zu reduzieren.
Landwirtschaft
Der größte Treiber des Klimawandels ist die Art und Weise, wie wir landwirtschaftliche Nutzflächen bewirtschaften. Im Lauf der Zeit sind Abhängigkeiten von Saatgutherstellern und Konzernen der Pestizidindustrie entstanden. Die Argumentation, diese Art der Landwirtschaft wäre notwendig, um den Welthunger zu bekämpfen ist eine Illusion, so die Autorin. Ursula Bittner fächert die verschiedenen Probleme, die mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen, auf. So geht es zum einen um den Einsatz von Monokulturen und Pestiziden, die nachweislich die Bodensubstanz zerstören und die Biodiversitätskrise vorantreiben. Weiter geht es aber auch um Deforsting-Abholzung besonders geschützter Waldgebiete. Auch die Nutzung von sogenannter „regenerativer Landwirtschaft“ als CO2 Speicher stellt ein großes Problem dar. Es fehlen klare Regulierungen und es stellt wieder nur eine Kompensationsstrategie dar, anstatt eine Reduktion zu forcieren.
Lösungsvorschläge
Bittner fordert striktere Gesetze gerade auf EU-Ebene. Diese müssen gekoppelt sein mit hohen Strafen bei falscher Werbung und es müssen unabhängigere Überprüfungen durch Behörden erfolgen. Weiterhin, betont die Autorin, muss es mehr Transparenz geben was den Lobbyeinfluss angeht, aber auch was die realen Umweltbilanzen betrifft. In dem Zusammenhang sollten irreführende Zertifikate verboten oder beschränkt werden. Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene fordert Ursula Bittner einen Wandel. Bürger*innen müssen mehr aufgeklärt und beteiligt werden. Kooperationen von NGOs, Wissenschaft und Aktivisten können eine Transformation bewirken. Generell betont Bittner, dass es ein systemisches Umdenken geben muss in Richtung Postwachstum und Kreislaufwirtschaft.
Das Buch „Greenwashing“ von Ursula Bittner ist ein Buch vollgepackt mit Hintergrundwissen zu Regularien, Gesetzen und EU-Programmen. Man findet eine Übersicht vieler Beschlüsse hinsichtlich Umwelt und Klimaschutz und damit verbunden eine Einordnung dieser aus Sicht von Greenpeace. Es klärt darüber auf, was wirklich hinter den Versprechen vieler Unternehmen steckt und gibt erschreckende Details preis über die Täuschungen des täglichen Konsums. Das Buch „Greenwashing“ ist eine absolute Leseempfehlung für jede und jeden der ausbrechen möchte aus den alltäglichen Irreführungen und einen tieferen Einblick erhalten möchte zu Konsumentscheidungen. Wenn man das Buch gelesen hat, hat man einen anderen Blick auf die Welt und trifft im besten Falle verantwortungsbewusstere Entscheidungen.
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Ursula Bittner, Greenwashing: das schmutzige Geschäft mit deinem Gewissen, Oekom-Verlag, 6.10.2025, 300 Seiten, ISBN: 978-3-98726-159-6
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