Selten habe ich mich so sehr auf ein Buch gefreut. Oder anders: Selten habe ich ein Buch so sehr gebraucht. Während ich jeden Tag aufs Neue mit Nachrichten von Krieg, Klimakatastrophe und autoritären rechten Machthabern aufwache, habe ich eines nie nötiger gehabt: Hoffnung.
Ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht. Gut für uns, dass Julien Gupta, Mitgründer des Newsletters Treibhauspost und Mitherausgeber des Buches „Unlearn CO2“ (2024), sich dem Thema angenommen hat. Ihm ist es gelungen, zwölf namhafte Persönlichkeiten für seine Anthologie zu gewinnen und deren unterschiedliche Zugänge in „Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen“ zu vereinen, die pünktlich zur Leipziger Buchmesse 2026 im oekom-Verlag erscheint.

„Dieses Buch ist eine Einladung, gemeinsam auf Stop zu drücken. Und uns die Kontrolle über unsere Hoffnung zurückzuholen.“

In seinem Vorwort schreibt Julien Gupta, dass Hoffnung so vielfältig ist wie die Menschen, die sie in sich tragen – genau wie die allesamt hochkarätigen Autor*innen. Auch deshalb war meine Erwartungshaltung – und ja, auch meine Hoffnung – vorm Lesen hoch.

Gute Gründe, Hoffnung zu haben

Hoffnung bedeutet, einen Plan C für übermorgen zu haben – zumindest für Marina Weisband, Expertin für digitale Partizipation. Sie benennt gute Gründe, Hoffnung zu haben, die mir direkt ein besseres Gefühl geben, die ich hier aber nicht vorwegnehmen möchte. Und sie macht deutlich, dass wir nicht kämpfen können, wenn wir annehmen, dass alles verloren ist.

Für Cornelia Funke, weltbekannte Geschichtenerzählerin und Illustratorin, sind Angst und Hoffnung zwei Gefährtinnen, von denen mal die eine, mal die andere stärker ist. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass nur Gemeinsamkeit echten Fortschritt garantiert – und Hoffnung sich vor allem aus Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit speist. Baro Vicenta Ra Gabbert, Sprecherin für sozialökologische Gerechtigkeit bei Greenpeace Deutschland, schlägt vor, sich von unrealistischen Hoffnungen zu verabschieden, Visionen zu entwerfen und dahin zu schauen, wo Menschen bereits an die Möglichkeiten glauben. Denn solange wir Gestaltungsspielraum haben, ist die Zukunft nicht besiegelt.

Neurowissenschaftlerin Maren Urner schreibt über die negativen Auswirkungen der medialen Entwicklungen auf unsere Gehirne, die immer mehr Menschen spüren – so auch ich. Doch zentrale Erkenntnisse aus den Neuro- und Verhaltenswissenschaften, die sie in ihrem Text erläutert, machen ihr und mir Mut. Vor allem aber lädt sie uns dazu ein, uns bewusst zu machen, was wir am Ende unseres Lebens nicht bereuen wollen.

Marc-Uwe Klings Ansatz liegt natürlich im Humor. Der Autor weiß am besten, dass Lachen eine unglaubliche Macht hat und Angst vertreiben kann:

„Du kannst dir Sorgen um die Welt machen und trotzdem ein schönes Leben haben. Mit Spaß gelingt dir am Ende wahrscheinlich sogar mehr.“

Musiker Jojo Berger findet Hoffnung da, wo Worte nicht mehr reichen – in der Kunst und vor allem in der Musik. Afrikawissenschaftler*in Josephine Apraku sieht Hoffnung als Energie, die von innen heraus entsteht, und findet die Utopie in kleinen alltäglichen Momenten. Deutschlands bekannteste Stimme zum Thema Inklusion, Raúl Krauthausen, hat dagegen keine einfache Beziehung zur Hoffnung, hofft aber dennoch: zum Beispiel auf eine gerechtere Zukunft für behinderte Menschen. Die Mitbegründerin des Centre for Feminist Foreign, Policy Kristina Lunz, schildert am Beispiel der ältesten bis heute aktiven feministischen Friedensorganisation der Welt, dass Hoffnung neue Realitäten schaffen kann:

„Nichts wirklich Bedeutendes in unserer Gesellschaft wurde je erreicht, ohne dass Menschen erst eine Vision hatten und sie dann durch kluges Handeln Realität werden ließen.“

Schauspielerin Pheline Roggan plädiert dafür, die politische Teilhabe friedlich auszudehnen und sich auf kleine, umsetzbare Ziele im eigenen Umfeld zu fokussieren – so wie sie es im Filmbereich tut. Gilda Sahebi, freie Journalistin, ist davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft viel mehr verbindet als spaltet. Schließlich sei es das erklärte Ziel autoritärer Herrschaftssysteme, die Bevölkerung gegeneinander aufzuhetzen. Für die ehemalige Schulleiterin Margret Rasfeld entsteht Hoffnung aus der Verbundenheit mit allem Lebendigen und dem Gestalten des Gemeinwesens. Nicht nur Kinder und Jugendliche können aufblühen, wenn man ihnen zutraut, die Welt mitzugestalten.

Klimahoffnung neu denken

Abschließend schreibt Herausgeber Julien Gupta darüber, wie wir die Hoffnung fürs Klima radikal neu denken sollten. Wer wissen möchte, wie das gehen kann – und wie die Formel für Klimahoffnung inkl. Geheimzutat lautet – sollte dieses Buch unbedingt selbst lesen. Die einzelnen Beiträge sind kurz und knackig, sodass man immer wieder zu ihnen zurückkehren kann, wenn man es in Zeiten wie diesen mal wieder nötig hat. 

Wunderwaffe Hoffnung

So unterschiedlich die Autor*innen und ihre Ansätze auch sein mögen: auf einige zentrale Punkte können sich alle einigen:
Hoffnung ist aktiv, nicht passiv. Sie ist Arbeit und entsteht durch Möglichkeiten. Sie ist eine Wunderwaffe, die wir einsetzen müssen. Und wir können sie strukturell aufbauen.

„Hoffnung ist kein Gefühl. Sie ist die Entscheidung, die Zukunft trotzdem zu gestalten. Hoffnung schafft Wirklichkeit. So vielen Menschen ist das immer wieder gelungen, an unterschiedlichen Orten, zu verschiedenen Zeitpunkten, gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Warum sollten wir das heute nicht auch schaffen?“

Selbstwirksamkeit ist für die Autor*innen ein wichtiges Element der und Grundvoraussetzung für Hoffnung. Das Gefühl von Gemeinschaft sowie Visionen und Utopien, auf die wir hinarbeiten können, sind weitere Faktoren, die in den Texten immer wieder betont werden. Geschichten, die Lust auf Zukunft machen eben. 

Fazit

Für mich ist dieses Buch auch ein Mut machender Aufruf, sich aktiv auf den Weg in ein lebenswertes Morgen zu machen – gemeinsam und mit einem klaren Ziel vor Augen. So, wie Herausgeber Julien Gupta schreibt:

„Dieses Buch ist daher vor allem eines: eine Inspiration, Hoffnung als täglichen Akt des liebevollen Widerstand zu begreifen. Gegen diejenigen, die unsere Welt künstlicher, ärmer und hasserfüllter machen wollen. Gemeinsam mit denen, die genau das Gegenteil davon möchten.“

Und dieses Buch ist: Was ich lese, wenn ich Hoffnung brauche.

Wir bedanken uns bei Sandra Michalski für die Rezension für die Klimabuchmesse.

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„Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen. Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit“ mit Texten von
Marc-Uwe Kling, Cornelia Funke, Raúl Krauthausen, Maren Urner, Josephine Apraku, Jojo Berger, Baro Vincenta Ra Gabbert, Kristina Lunz, Margret Rasfeld, Pheline Roggan, Gilda Sahebi, Marina Weisband, Julien Gupta (Hrsg.)
oekom, März 2026, 208 Seiten, ISBN: 978-3-98726-516-7

Hier geht es zur Leseprobe.

Weitere Klimabuch-Tipps findest du in unserer Klimabuchliste.