Do, 19.3.26, 17–19 Uhr, Leipziger KUBUS, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Permoserstraße 15, 04318 Leipzig

Im Fokus des Abends stehen zwei Bücher, die den Schwund von Tier- und Pflanzenarten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen.

Da ist zum einen die Anthologie „Wir dachten, wir könnten fliegen“, in der 20 renommierte deutschsprachige und internationale Schriftsteller:innen ausgestorbene Arten durch die Kraft der Literatur lebendig werden lassen. Wie lebte der Kaspische Tiger und was wurde dem Riesenvampir zum Verhängnis? Wie duftete der Hawaiianische Berghibiskus und was verbindet uns heute noch mit diesen ausgewählten Spezies? Im Gespräch mit der Biodiversitätsforscherin Prof. Katrin Böhning-Gaese beschreibt Matthias Jügler, Herausgeber der Anthologie, die literarische Herangehensweise an dieses Projekt.

Das zweite Buch, über das an diesem Abend von ihren drei Autor*innen diskutiert wird, entstand durch die Zusammenarbeit von Prof. Katrin Böhning-Gaese mit dem Technikhistoriker Prof. Helmuth Trischler und dem Rechtswissenschaftler Prof. Jens Kersten. „Rettet die Vielfalt“ ist ein politisch engagiertes, wissenschaftlich fundiertes Manifest, das ein radikales Umdenken fordert: weg vom ausbeuterischen Umgang mit der Natur, hin zu einer Gesellschaft, die Natur als unverzichtbare Grundlage ihrer kulturellen, ökonomischen und demokratischen Strukturen begreift und aktiv in ihre Gestaltung einbindet. Die Autor:innen des Manifests machen einen fehlenden rechtlichen Rahmen und ein mangelndes Bewusstsein für den Wert natürlicher Ressourcen als elementare Ursachen für den Artenschwund aus. Sie fordern, den Schutz der Natur im Grundgesetz festzuschreiben und als essenzielles Element der Daseinsvorsorge und von kritischen Infrastrukturen zu verstehen. Auf dem Podium diskutieren sie Thesen und konkrete Lösungen, wie wir Politik, Recht und Wirtschaft ändern müssen, um die großen ökologischen Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Die begleitende Biodiversitätsforschung muss interdisziplinärer werden, wissenschaftliche Ergebnisse insgesamt müssen zugänglich für alle werden. Zusätzliche Aktualität hat das Thema durch die politische Debatte um die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, die auch von Deutschland verlangt, bis 2030 20 Prozent seiner geschädigten Ökosysteme wiederherzustellen.

Prof. Katrin Böhning-Gaese ist Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und Professorin an der Universität Leipzig. Sie erforscht seit 30 Jahren die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur und die Bedeutung der Biodiversität. Für ihre Spitzenforschung und ihr Engagement im Bereich der Politik- und Gesellschaftsberatung wurde sie 2021 mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Matthias Jügler studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für seine Romane wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2022 mit dem Klopstock-Preis für Literatur des Landes Sachsen-Anhalt, 2024 mit dem Rheingau Literatur Preis. „Maifliegenzeit“ (2024) stand auf der Shortlist des Evangelischen Buchpreises 2025. Jügler lebt in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

Prof. Helmuth Trischler ist Technikhistoriker und verantwortete bis 2024 den Bereich Forschung in der Museumsleitung des Deutschen Museums in München und organisierte dort 2014-2016 die Sonderausstellung „Willkommen im Anthropozän. Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde“. Er gründete 2009, gemeinsam mit Christof Mauch, das an die LMU München angegliederten Rachel Carson Center for Environment and Society.

Prof. Jens Kersten lehrt Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften an der LMU München. In seinem 2022 erschienen Buch „Das ökologische Grundgesetz“ forderte er, Ökologie solle als sechstes Staatsprinzip etabliert werden, um das ökologische Allgemeinwohl zu stärken. 2025 wurde sein Aufsatz „Die Ökologisierung des Eigentums“ im stw 2450 „Umkämpftes Eigentum“ veröffentlicht.

Diese Veranstaltung findet sich im Programm von „Leipzig liest“ und von der „Klimabuchmesse“ und ist zugleich Teil der Vortragsreihe „Helmholtz Environmental Lecture (HEL)“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ.

Für diese Veranstaltung ist eine Anmeldung notwendig:

Die Veranstaltung findet im Leipziger KUBUS, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Permoserstraße 15, 04318 Leipzig statt. Hier gibt es eine Übersicht zur Anreise.

Zu den Büchern:

Der dramatische Verlust der Artenvielfalt erfordert einen tiefgreifenden Wandel in allen Lebensbereichen. Die Biodiversität muss zur Grundlage unseres Zusammenlebens werden. Dies kann nur gelingen, wenn wir dabei biologische, kulturelle und technische Diversität in unserem gesellschaftlichen Leben verbinden. Dieses Manifest bietet Thesen und konkrete Lösungen, wie wir Politik, Recht und Wirtschaft ändern müssen, um die größten ökologischen Herausforderungen der Gegenwart zu meistern.

Katrin Böhning-Gaese, Jens Kersten, Helmuth Trischler: Rettet die Vielfalt: Manifest für eine biodiverse Gesellschaft Klett-Cotta, 208 Seiten, 20 Euro. ISBN: 978-3-608-96649-7

Er lebte im chinesischen Fluss Jangtse, war bis zu drei Meter lang und 500 Kilogramm schwer und wurde 2020 für ausgestorben erklärt: der Schwertstör. Zum Verhängnis wurden ihm sein zartes Fleisch und die anhaltende Vernichtung seines Lebensraums. Der Schwertstör war nicht nur aufgrund seiner Größe ein besonderer Fisch – er war auch der einzige Vertreter seiner Gattung, die nun mit ihm als ausgestorben gilt. Die Geschichte vom Verschwinden des Schwertstörs ist nur eine von Tausenden. In den nächsten Jahrzehnten droht weltweit der Verlust von bis zu einer Million Arten. Das Massensterben bedroht unser gesamtes Ökosystem und damit auch uns Menschen.

Diese Anthologie versammelt literarische, ebenso humorvolle wie überraschende Beiträge von zwanzig der renommiertesten deutschsprachigen und internationalen Schriftsteller*innen. Sie fragen: Wie lebten bestimmte verschwundene Tiere und Pflanzen? Was verbindet uns heute noch mit ihnen? Was machte sie einzigartig? Und was wurde ihnen zum Verhängnis? Begleitet durch farbige Illustrationen von Barbara Dziadosz gibt »Wir dachten, wir könnten fliegen« den verschwundenen Arten ein Gesicht und holt sie aus der Anonymität in unser Bewusstsein.

Mit Beiträgen von: T.C. Boyle, John Burnside, Alex Capus, Daniela Dröscher, Elena Fischer, Charlotte Gneuß, Kim de l’Horizon, John Ironmonger, Helen Macdonald, Katerina Poladjan und Henning Fritsch, Melanie Raabe, Julia Schoch, Katrin Schumacher, Clemens J. Setz, Antje Rávik Strubel, Jackie Thomae, Iida Turpeinen, Caroline Wahl, Iris Wolff.

Matthias Jügler [Hg.]: Wir dachten, wir könnten fliegen. 19 Geschichten über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur. Penguin Verlag, 256 Seiten, 32 Euro. ISBN: 978-3-328-60453-2

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